KUNST & KÜNSTLER

 

ART K 17 im Kieswerk

Der Dreiländergarten ist zugleich ein Park der Kunst und der Architektur. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für dieses Kino-Open-Air-Festival. Die Filme werden gezeigt zwischen dem Kunstraum Kieswerk, dem einst größten Mischwerk am Oberrhein, das vor 20 Jahren von Professor Thomas Spiegelhalter im Auftrag der Landesgartenschau GmbH zum begehbaren Kunstwerk umgestaltet worden war und dem Pavillon "Landscape Formation One" der weltbekannten Architektin Zaha Hadid findet der Besucher neben kulinarischen Angeboten, Musik-Bühnen auch die Kunstausstellung im Kieswerk und Kunst im öffentlichen Parkbereich.

Der Kunstraum Kieswerk zeigt unter dem Titel ART K 17 Arbeiten von polnischen und deutschen Künstlern Zu sehen sind Werke von Naoki Fukushima, Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz, Ania Dziezewska und Volker Scheurer mit Malerei, Skulpturen, Objekten, Installationen.

Auf Einladung des Kulturamtes werden aus der Region Danzig vier weitere Künstler während einiger Tage des Festivals anwesend sein und sieben Kunstprojekte vorstellen: Henryk Cześnik, Jacek Kornacki, Jacek Staniszewski und Robert Florczak sind Professoren an der Kunsthochschule Danzig.

Kunstraum Industriedenkmal Kieswerk
 

Vom Betonmischwerk zum Kunstraum Kieswerk

Kieswerk

Der Kunstraum Kieswerk als Ausstellungsgebäude und Atelier des deutschen Künstlers Volker Scheurer und der polnischen Künstlerin Ania Dziezewska hat eine bewegte Geschichte, deren letztes Kapitel eng mit der Landesgartenschau "Grün 99" zusammenhängt. Denn ursprünglich sollte das gesamte Kiesgrubengelände der Firma Hupfer im östlichen Teil des Dreiländergartens "revitalisiert" werden. Fast alle technischen Einrichtungen der Kiesgrube wurden nach der Einstellung des Kiesabbaus 1998 entfernt. Für die Erhaltung des Mischwerks sprach der futuristische Charakter des Gebäudes und die Lage vor den Gärten der Zukunft und dem Landespavillon von Zaha Hadid mit dem ursprünglichen "Landscape Formation One".

Nachdem die deutsche Zementindustrie für das schönste noch erhaltene Mischwerk am Oberrhein auf Nachfrage durch die LGS GmbH allerdings erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt hatte, wurde der politische Beschluss gefasst, die Betonmischanlage von dem Freiburger Sanierungsexperten Professor Thomas Spiegelhalter in eine "begehbare Kunstskulptur Mischwerk" zu verwandeln.

 

Der Besucher der Landesgartenschau konnte über Stahltreppen in das Innere des Gebäudes gelangen, das auf versinterten Stahlfüßen über dem betonierten Boden thronte, oder über einen Steg am Förderband entlang bis auf die Silos klettern. Von dort ergab sich ein beeindruckender Blick auf den Dreiländergarten, das extensiv beackerte Mattfeld und die Langen Erlen an der Schweizer Grenze. Wer Lust hatte, konnte schließlich mit einer langen Rutsche wieder zurück zum Kies-Spielplatz und den verschiedenen beispielhaften Kies-Schaubereichen gelangen.

Mit der Betonmischanlage wurden im Jahr 1960 von der Maschinenfabrik Gustav Eirich aus Hardheim in Nordbaden eine erhöht liegende Sammelmulde, Zementsilos und entsprechende Transportvorrichtungen gebaut. Der Kies wurde, je nach Körnung, in die verschiedenen Segmente der Sammelmulde eingefüllt. Mit Hilfe von Schiebern konnte die gewünschte Mischung hergestellt werden. Auf dem Förderband gelangte der Kies in die Mischanlage. Unter Zugabe von Zement aus den außenstehenden Silos und Wasser sowie weiteren Bindemitteln wurde der Beton in ursprünglich zwei Rührwerken hergestellt. Lastwagen konnte unter die Ständerkonstruktion fahren und die fertige Mischung aufnehmen. Das Steuerpult für diese Vorgänge ist heute noch vorhanden.

Anfang der Sechzigerjahre boomten der Autobahnbau und die Architektur von Betongebäuden. Mit seinen Kiesvorkommen bot sich vor allem das Rheintal für Abbaustandorte an. Für Weil am Rhein wurde der Kiesabbau sehr landschaftsprägend. Damit ist das vereinfacht "Kieswerk" genannte Gebäude eines der wichtigen Denkmäler der Industrie- und Verkehrsgeschichte in der Stadt neben dem Glashaus, dem Schwarzenbach-Areal und dem Rangierbahnhof. Heute wird die surreale Kulisse der Silos, Stahlständer, Leitungen und Treppen als idealer Hintergrund für Kino-Open-Air-Festivals, Konzerte, Künstler-Symposien oder die Avantgarde-Festivals des Kieswerks mit dem Titel "Motion" genutzt.

Volker Scheurer hat das Gebäude in den vergangenen 17 Jahren zahlreichen Veränderungen unterzogen, ohne die Grundstruktur unkenntlich zu machen. Unter der Bühne befindet sich ein Kunstrundgang, ein "Kunstschutzbunker" in der ehemaligen Wascheinrichtung oder die Künstlerwohnung mit Bädern und Gästebereichen in den ehemaligen Silos sind ungewöhnliche architektonische Lösungen. Das Umfeld ist geprägt durch die künstlerischen Interventionen und Skulpturen, teilweise auch durch die Kunst-Projekte während des Kieswerk Open Airs. Daran haben bislang Künstler aus Japan, den USA, Polen, Italien, der Schweiz und Deutschland mitgewirkt.

 
 

Seven Cardinal Sins (Die 7 Todsünden): Kunstprojekt beim Kieswerk Open Air

Kunstprojekt beim Kieswerk Open Air

Bis zum 9. August kann die gemeinsam vom Kieswerk und städtischen Kulturamt organisierte Sonderausstellung zum Kieswerk Open Air 2017 auf dem Festival-Gelände angeschaut werden. Die vier Professoren der Kunstakademie Danzig - Henryk Cześnik , Robert Florczak, Jacek Kornacki, Jacek Staniszewski - stellen sieben große Arbeiten als Hommage an Hans Memlings "Jüngstes Gericht" auf dem Gelände aus. Das Altargemälde des deutschen Malers entstand in den Jahren 1467 bis 1471. Kulturamtsleiter Tonio Paßlick erläutert bei den künstlerischen Rundgängen den aktuellen Bezug des Projektes zum Luther-Jahr und den Zusammenhang zwischen Memlings "Jüngstem Gericht" und den sieben Todsünden.

Im Mittelalter stand die Sieben in der christlichen Zahlensymbolik für die Gnade, für Ruhe und Frieden, da sie sich aus der Zahl Drei (Dreifaltigkeit) und der Vier (Welt, Vier Elemente, Vier Himmelsrichtungen) zusammensetze. Sie ist die Addition von drei und vier - von Geist und Seele. Die Sieben wird auch häufig bevorzugt.

So haben Experimente in der Verhaltensforschung gezeigt, dass die Sieben häufig als Lieblingszahl genannt wird. Und auch wenn nach einer beliebigen Zahl zwischen eins und neun gefragt wird, wird die Zahl Sieben überdurchschnittlich häufig genannt.

 

Dasselbe trifft bei der Frage nach der Lieblingsfarbe auf Blau zu, daher wird dieses Phänomen auch Blue-Seven-Phänomen genannt. Sieben Tore schützten Theben, Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut. Sieben fetten Jahren folgten in Ägypten sieben magere Jahre. Und vor allem in der Offenbarung des Johannes ist die "7" eine Schlüsselzahl: 7 Gemeinden, 7 Posaunen, ein Buch mit 7 Siegeln….

Das Bildthema von Hans Memlings Triptychon des Weltgerichts ist der Offenbarung des Evangelisten Johannes entnommen worden. Dargestellt ist der Weltenrichter am Tag des Jüngsten Gerichts, die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag, die Seelenwägung durch den Erzengel Michael und der Einzug der Geretteten in das Himmlische Jerusalem (Paradies) sowie der Gang der Verdammten in die Hölle.

Wie kam ein flämisches Altarbild, das eigentlich von den Medici für die Michaelskapelle der Badia Fiesolana in Fiesole gestiftet worden war nach Danzig. Paßlick erläutert dies anhand der politischen Verhältnisse des 15. Jahrhunderts, den Rosenkriegen in England und der neuen Macht der Städte im Hanse-Bund. Das Schiff, mit dem das Bild im Jahr 1473 nach Florenz gebracht werden sollte, wurde jedoch kurz nach dem Auslaufen von der "Peter von Danzig", einem Schiff der Hanse gekapert. Das Schiff gehörte dem Bürgermeister von Danzig, Reinhold Niederhoff, er schenkte es der Marienkirche in Danzig. Heute kann es im Nationalmuseum von Danzig bewundert werden. Memling thematisiert mit eindrucksvollen Szenen die Angst vor der Hölle; die katholische Kirche bot als Rettung Ablassbriefe an. Womit wir beim Kernpunkt von Luthers Thesen vor 500 Jahren wären.

Den sieben Todsünden würden die sieben Kardinalstugenden entgegengestellt. Sünden indes entstehen nach der klassischen Theologie aus sieben schlechten Charaktereigenschaften: Hochmut, Geiz, Wollust oder Maßlosigkeit, Neid, Faulheit bzw Trägheit. Später kam "Ruhmsucht" dazu und sogar Trübsinn. Die polnischen Künstler ziehen eine Verbindung zwischen den mittelalterlichen seelischen Ängsten und heutigen Problemen und Orientierungen. Durchaus mit selbstironischen Zügen. Robert Florczak hat seine eigene Wut thematisiert, die er durchaus zwiespältig empfindet: den Zorn kann eine mächtige Triebfeder sein. "Trägheit" und "Maßlosigkeit" seien die Lieblingssünden von Henryk Czesnik kommentiert er die beiden Bilder seines Professoren-Kollegen. Während Jacek Kornacki mit seinen drei illuminierten Schädeln auf langen Fahnenstangen auf die hominiden Wurzeln der Menschheit verweist und die Quellen des Verhaltens in ihren Ursprüngen sucht. Florczak geht auch spielerisch und humorvoll mit der Wollust, indem er dabei Lust und Last künstlerisch aufspießt. Jacek Staniszewski schließlich findet im Neid die Wurzeln der Kriege; auf einem großen Transparent sind die Labels vieler Schallplatten - und ein Textbezug am Rande des Bildes verweist auf Woody Guthrie, den Vater des amerikanischen Folksongs mit seinem Song "This land is my land". Durchaus als Bezug auf die politischen Probleme in Polen zu verstehen. Die Kunstwerke können bei einem Spaziergang auf dem Festivalgelände betrachtet werden. Sie ergänzen einen bestehenden Park an Kunstwerken, die während der letzten Festivals entstanden sind. Dazu gehört zum Beispiel das Schrott-Kunstwerk Slinky des Kölner Künstlers Odo Rumpf, das im vergangenen Jahr entstanden ist. Im Kieswerk selber sind die Arbeiten der Kunstausstellung ART K 17 zu sehen. Naoki Fukushima, Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz, Ania Dziezewska und Volker Scheurer zeigen Malerei, Skulpturen, Objekten, Installationen.

Bis zum 9. August kann die gemeinsam vom Kieswerk und städtischen Kulturamt organisierte Sonderausstellung zum Kieswerk Open Air 2017 auf dem Festival-Gelände angeschaut werden. Die vier Professoren der Kunstakademie Danzig - Henryk Cześnik , Robert Florczak, Jacek Kornacki, Jacek Staniszewski - stellen sieben große Arbeiten als Hommage an Hans Memlings "Jüngstes Gericht" auf dem Gelände aus. Das Altargemälde des deutschen Malers entstand in den Jahren 1467 bis 1471.

Kulturamtsleiter Tonio Paßlick erläutert bei den künstlerischen Rundgängen den aktuellen Bezug des Projektes zum Luther-Jahr und den Zusammenhang zwischen Memlings "Jüngstem Gericht" und den sieben Todsünden. Im Mittelalter stand die Sieben in der christlichen Zahlensymbolik für die Gnade, für Ruhe und Frieden, da sie sich aus der Zahl Drei (Dreifaltigkeit) und der Vier (Welt, Vier Elemente, Vier Himmelsrichtungen) zusammensetze. Sie ist die Addition von drei und vier - von Geist und Seele. Die Sieben wird auch häufig bevorzugt. So haben Experimente in der Verhaltensforschung gezeigt, dass die Sieben häufig als Lieblingszahl genannt wird. Und auch wenn nach einer beliebigen Zahl zwischen eins und neun gefragt wird, wird die Zahl Sieben überdurchschnittlich häufig genannt. Dasselbe trifft bei der Frage nach der Lieblingsfarbe auf Blau zu, daher wird dieses Phänomen auch Blue-Seven-Phänomen genannt. Sieben Tore schützten Theben, Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut. Sieben fetten Jahren folgten in Ägypten sieben magere Jahre. Und vor allem in der Offenbarung des Johannes ist die "7" eine Schlüsselzahl: 7 Gemeinden, 7 Posaunen, ein Buch mit 7 Siegeln….

Das Bildthema von Hans Memlings Triptychon des Weltgerichts ist der Offenbarung des Evangelisten Johannes entnommen worden. Dargestellt ist der Weltenrichter am Tag des Jüngsten Gerichts, die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag, die Seelenwägung durch den Erzengel Michael und der Einzug der Geretteten in das Himmlische Jerusalem (Paradies) sowie der Gang der Verdammten in die Hölle.

Wie kam ein flämisches Altarbild, das eigentlich von den Medici für die Michaelskapelle der Badia Fiesolana in Fiesole gestiftet worden war nach Danzig. Paßlick erläutert dies anhand der politischen Verhältnisse des 15. Jahrhunderts, den Rosenkriegen in England und der neuen Macht der Städte im Hanse-Bund. Das Schiff, mit dem das Bild im Jahr 1473 nach Florenz gebracht werden sollte, wurde jedoch kurz nach dem Auslaufen von der "Peter von Danzig", einem Schiff der Hanse gekapert. Das Schiff gehörte dem Bürgermeister von Danzig, Reinhold Niederhoff, er schenkte es der Marienkirche in Danzig. Heute kann es im Nationalmuseum von Danzig bewundert werden.
Memling thematisiert mit eindrucksvollen Szenen die Angst vor der Hölle; die katholische Kirche bot als Rettung Ablassbriefe an. Womit wir beim Kernpunkt von Luthers Thesen vor 500 Jahren wären.

Den sieben Todsünden würden die sieben Kardinalstugenden entgegengestellt. Sünden indes entstehen nach der klassischen Theologie aus sieben schlechten Charaktereigenschaften: Hochmut, Geiz, Wollust oder Maßlosigkeit, Neid, Faulheit bzw Trägheit. Später kam "Ruhmsucht" dazu und sogar Trübsinn. Die polnischen Künstler ziehen eine Verbindung zwischen den mittelalterlichen seelischen Ängsten und heutigen Problemen und Orientierungen. Durchaus mit selbstironischen Zügen. Robert Florczak hat seine eigene Wut thematisiert, die er durchaus zwiespältig empfindet: den Zorn kann eine mächtige Triebfeder sein. "Trägheit" und "Maßlosigkeit" seien die Lieblingssünden von Henryk Czesnik kommentiert er die beiden Bilder seines Professoren-Kollegen. Während Jacek Kornacki mit seinen drei illuminierten Schädeln auf langen Fahnenstangen auf die hominiden Wurzeln der Menschheit verweist und die Quellen des Verhaltens in ihren Ursprüngen sucht. Florczak geht auch spielerisch und humorvoll mit der Wollust, indem er dabei Lust und Last künstlerisch aufspießt. Jacek Staniszewski schließlich findet im Neid die Wurzeln der Kriege; auf einem großen Transparent sind die Labels vieler Schallplatten - und ein Textbezug am Rande des Bildes verweist auf Woody Guthrie, den Vater des amerikanischen Folksongs mit seinem Song "This land is my land". Durchaus als Bezug auf die politischen Probleme in Polen zu verstehen. Die Kunstwerke können bei einem Spaziergang auf dem Festivalgelände betrachtet werden. Sie ergänzen einen bestehenden Park an Kunstwerken, die während der letzten Festivals entstanden sind. Dazu gehört zum Beispiel das Schrott-Kunstwerk Slinky des Kölner Künstlers Odo Rumpf, das im vergangenen Jahr entstanden ist.

Im Kieswerk selber sind die Arbeiten der Kunstausstellung ART K 17 zu sehen. Naoki Fukushima, Krzysztof Leon Dziemaszkiewicz, Ania Dziezewska und Volker Scheurer zeigen Malerei, Skulpturen, Objekten, Installationen.

Architektur

Der "Hadidbau" - eigentlich "Landscape Formation One" - ein künstlerisch entworfenes Gebäude der Star. Architektin Zaha Hadid

Sie entwarf Gebäude in Peking, Hongkong, Wien, Rom und Leipzig. Das Reinhold-Messner-Museum in Plan de Corones wurde 2015 von dem Alpinisten persönlich eingeweiht. Ihr großer Durchbruch als Weltstar der Architekturszene war 1993 mit der ersten Realisierung einer ihrer Entwürfe erfolgt, dem Feuerwehrhaus des Vitra-Campus in Weil am Rhein. 1999 verwirklichte sie gemeinsam mit den Architekten Patrik Schumacher, Peter Bährle und Roger Mayer den ersten öffentlichen Auftrag: Landscape Formation 1 im Dreiländergarten von Weil am Rhein. Mit diesen beiden Projekten ist der Name Zaha Hadid mit Weil am Rhein verbunden.

Der SPIEGEL schrieb treffend: "…die Legende will, dass ihr Erstlingswerk 1993 in Weil am Rhein entstehen konnte. Archaisch und schwebend zugleich, verschachtelt und dennoch funktional gestaltete Hadid für die Möbelfabrik der Firma Vitra eine Feuerwache, die heute als leere Skulptur nur noch auf sich selbst verweist. Ein ästhetischer Urknall, der Zaha Hadid mit einem Schlag in die Gesellschaft - wenn nicht an die Spitze - der wenigen Architekten katapultierte, deren Namen weltweit zu Marken geworden sind…"
Als leer kann man das Gebäude nicht wirklich bezeichnen. Zwar wurde der eigentliche Zweck einer Feuerwache nur ein Jahr lang erfüllt, weil Vitra dann die Werksfeuerwehr auflöste und eine Vereinbarung mit der städtischen Feuerwehr abschloss. Aber danach war es ein genauso geeignetes wie Aufsehen erregendes Haus für die Dauerausstellung der 100 ausgewählten Stühle, die bei den Sonderausstellungen des Vitra Design Museums bis zum Bau des Vitra Hauses nicht im Museum ausgestellt werden konnten. Und eine geniale Hülle für die Konzerte der Reihe "Lesmuseiques", an denen auch die Stadt Weil am Rhein beteiligt war.

Mit Landscape Formation 1 entstand für die Landesgartenschau Grün 99 der erste Landes-Pavillon einer Gartenschau als Architektur-Fanal. Sie erspürte die geologischen Linien der umgebenden Landschaft einer früheren Kiesgrube, verband sie mit der geopolitischen Lage im Herzen Europas und konzipierte ein Gebäude, das beide Aspekte miteinander verband und wie ein chthonisches Urwesen aus dem Boden zu wachsen schien und die Fantasie anregte, die Linien- und Wegeführung im Geiste weiter zu denken. Weitere Gebäude auf der gleichen gedanklichen Basis folgten, ohne als Fortsetzung namentlich an Weil am Rhein zu erinnern. Zum Beispiel das Kunstmuseum von Örholm bei Kopenhagen oder jetzt das Messmer-Museum. Beispiele für den ausdrücklichen Bezug zur umgebenden Natur.

Ihre irakische Heimat hatte Hadid schon früh verlassen und an der US-Universität von Beirut Mathematik studiert, bevor sie sich in London der Architektur zuwandte. An der Architectural Association School (AAA) machte sie ihre Lehrer mit ihrer am russischen Suprematisten Kasimir Malewitsch geschulten Exzentrik auf sich aufmerksam. Ihre Entwürfe wirkten bisweilen wie betretbare Explosionszeichnungen, mit kippenden Wänden, tanzenden Säulen und splitternden Dächern.

"Eine Avantgarde, die Kollegen wie Frank O. Gehry, Daniel Libeskind oder Peter Eisenman sehr schätzten - die aber, anders als Gehry, Libeskind oder Eisenman, lange keine Bauherren fand. Als Zaha Hadid dann endlich baute, gab es kein Halten mehr. Allein in Deutschland, einem wichtigen Geschäftsfeld, erzählen unter anderem das "Phaeno" in Wolfburg oder die BMW-Fabrik in Leipzig von ihrem Genie." Schrieb der SPIEGEL: Frank O. Gehry bezeichnete sie als "außergewöhnliche Naturgewalt". "Da hatte sich Hadid bereits von Futurismus und Kubismus entfernt und barocken Solitären zugewandt, die durch schiere Flamboyanz überwältigen wollten. In Abu Dhabi, Baku oder Peking errichtete sie schillernde "signature buildings" für das Geltungsbewusstsein ihrer Auftraggeber, aber ohne Interesse an architektonischer Umgebung, kulturellem Erbe, menschlicher Stadtplanung oder Umweltschutz - alles Themen, die einer neuen Generation architektonischer Avantgardisten am Herzen liegen." War in der Zeit online zu lesen. Gehry und Hadid hatten sich unter anderem in Weil am Rhein getroffen, nicht nur auf dem Vitra Campus. Als die Stadt Weil am Rhein eine Reihe von Bauforen organisierte, gab es ein legendäres Bauforum 1993 in der Hülle der ehemaligen Katholischen Kirche vor dem Umbau zur Stadtbibliothek, bei dem versammelte Star-Architekten gemeinsam mit der Stadt über Visionen zur künftigen Gestaltung von Weil am Rhein sprachen. Damals gab es eine ursprüngliche Alternative zum Dreiländergarten als Schauplatz der Landesgartenschau - nämlich den Stadtbereich südlich des Vitra Campus. Aber auch die Grün 99 wurde von Architekten und Künstlern so stark geprägt wie keine andere Gartenschau zuvor.

Zaha Hadid war zweifellos auch umstritten. "Ein Gestirn von solcher Größe freilich warf auch einigen Schatten. Hadid, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, stand auch für eine ins Gigantische aufgeblasene Gestrigkeit, gestützt durch den Stahlbeton am Computer errechneter Extravaganzen - ein Albtraum für Statiker, unpraktisch bis zur Unbenutzbarkeit, wie ihr olympisches Schwimmstadion in London oder Museen, an deren gewölbten Wänden sich kein Bild befestigen lässt" schrieb die ZEIT.

"Ihr Kompagnon und theoretischer Stichwortgeber Patrick Schumacher nannte diese Manier "Parametrismus" und adelte das digitale Bauen in Strudeln und Falten zum endgültigen Stil, in den Übergangsperioden wie Dekonstruktivismus und Postmoderne münden müssten. Das Flüssige als Hegemonialstil der Postmoderne. Und das Gebäude als Welt für sich.
Eine Montserrat Caballé der Architektur. Wenn sie als Rollenmodell eine Vorreiterin war, dann eine nicht unproblematische. In Interviews beklagte sie sich zu Recht, Frauen bekämen in ihrem Beruf nicht die gleichen Chancen wie Männer - aber nur ein Drittel ihrer eigenen angestellten Architekten waren weiblich.

Zuletzt beschäftigte ihr Büro 400 Angestellte, die parallel an 95 Projekten rund um die Welt arbeiteten, während die Meisterin nebenbei noch Möbel, Bühnenbilder für die Pet Shop Boys oder ein Liebesnest entwarf, das der Oligarch Vladislam Doronin seiner Freundin Naomi Campbell schenken wollte. Der Höhepunkt ihrer erstaunlichen Karriere könnte auch der Scheitelpunkt gewesen sein. Ihre Planung für ein Olympiastadion in Tokio wurde nach heftiger Kritik an und 35.000 Unterschriften gegen diesem "galaktischen Fahrradhelm" gekippt - nicht nur aus Kostengründen.

2004 erhielt sie als bisher einzige Frau den Pritzker-Architekturpreis, der als Nobelpreis der Architektur gilt. Seit Jahren gehörte Hadid zu den internationalen Stars der Architekturszene, mit ihren modernistischen, futuristischen Entwürfen erwarb sie sich Anerkennung und Ruhm. Von Hadid stammen unter anderem das Nationalmuseum für moderne Kunst Maxxi in Rom und das Schwimmstadion für die Olympischen Spiele 2012 in London. Auch in Deutschland hinterließ sie ihr architektonisches Erbe, etwa in Leipzig, wo sie das Zentralgebäude der dortigen BMW-Werke baute, und in Wolfsburg, wo sie für das Wissenschaftsmuseum phæno verantwortlich war.
Diese Vorbehalte galten auch in ihrer Wahlheimat England, wo sie lange kaum Aufträge bekam. In den vergangenen Jahren erwarb sie sich dann aber ihren späten Ruhm, als sie nach dem Bau des London Aquatics Centre mit der neuen Serpentine Sackler Gallery erstmals ein permanentes Baudenkmal mitten in London realisieren konnte. "Es ist uns gelungen, mit diesem Projekt die alte und neue Welt zu vereinen", sagte sie anlässlich der Eröffnung der Gallery 2013, für die sie ein gigantisches fließendes Dach über ein altes Munitionslager stülpte.

Ein ganz besonderer Coup gelang ihr noch wenige Monate vor ihrem Tod 2016 im Alter von 65 Jahren: gemeinsam mit Bergsteigerlegende Reinhold Messner entwarf sie in Südtirol das erwähnte neue Bergmuseum. Auf 2.275 Metern Höhe entstand ein beeindruckender Bau, das größtenteils unterirdische Museum Corones zeigt die Entwicklung des Bergsteigens. Um Platz zu schaffen, ließ Hadid den Berg teilweise aushöhlen, von außen sind drei schräge Würfel zu sehen, die auch als Aussichtspunkte dienen. Der Beton zeigt dabei geschwungene Linien – und setzt damit einen starken Kontrast zur felsigen und schroffen Bergwelt.
Frank Gehry sagte einmal, dass er das Guggenheim-Museum in Bilbao nicht ohne die Erfahrungen in Weil am Rhein in seiner technischen Raffinesse hätte konzipieren können. Für Zaha Hadid waren auch die beiden Projekte in Weil am Rhein ein wichtiger Meilenstein, der sich in vielen Projekten in anderen Dimensionen abbildete.

Der Landespavillon der Grün 99 wurde nach der Gartenschau verpachtet an die Metzgerei Adler. Joachim Lederer hat schon unzählige private Feiern, öffentliche Ausstellungen und repräsentative Anlässe im Pavillon ermöglicht.

KIESWERK OPEN AIR 2017

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