KUNST & ARCHITEKTUR

 
Kunstraum Kieswerk und Hadid-Bau

Kunstraum Kieswerk und Hadid-Bau

Kunst und Architektur werden in Weil am Rhein vor allem mit dem Vitra Campus assoziiert. Das östliche Areal des Dreiländergartens ist jedoch neben manchen anderen Bauwerken in Weil am Rhein durchaus in einem Atemzug mit internationalen Architekturzielen zu nennen. Ursprünglich sollte das gesamte Kiesgrubengelände im heutigen Dreiländergarten "revitalisiert" werden. Fast alle technischen Einrichtungen der Kiesgrube wurden nach der Einstellung des Kiesabbaus 1998 entfernt. Für die Erhaltung des Mischwerks sprach der futuristische Charakter des Gebäudes und die Lage vor den Gärten der Zukunft und dem Landespavillon von Zaha Hadid mit dem Titel "Landscape Formation One".

Nach der Sanierung durch den Sanierungs-Experten Professor Thomas Spiegelhalter wurde das Relikt der Zwanzigerjahre in eine "begehbare Kunstskulptur Mischwerk" verwandelt. Der Besucher der Landesgartenschau konnte über Stahltreppen in das Innere des Gebäudes gelangen, das auf versinterten Stahlfüßen über dem betonierten Boden thronte, oder über einen Steg am Förderband entlang bis auf die Silos klettern. Von dort ergab sich ein beeindruckender Blick auf den Dreiländergarten, das extensiv beackerte Mattfeld und die Langen Erlen an der Schweizer Grenze. In diesem Jahr ist der Zugang für notwendige Sanierungsarbeiten gesperrt. Nur angemeldete Gruppen können in einer Führung die beiden Galerie-Räume des Kunstraums anschauen. Führungen werden während des Festivals auch um 20 Uhr ermöglicht. Anmeldung: vschrrknstrmkswrkd , Treffpunkt Glashaus/Haupteingang zum Kieswerk.

Genau gegenüber hat die irakische Architekten Zaha Hadid den ersten öffentlichen Auftrag ihrer Weltkarriere verwirklicht. In Zusammenarbeit mit Patrik Schumacher und dem Büro mayer bährle plante sie einen Landespavillon für die Grün 99. Genau wie bei der Fire Station auf dem Vitra Campus bezog sie sich bei ihren architektonischen Entwürfen sehr stark auf die umgebende Landschaft. Sie entwickelte für Landscape Formation One (heute im Volksmund "Hadid-Pavillon" genannt) eine stromlinienförmige Architektur aus der umgeben-den Landschaft und dem Wegenetz des neu geschaffenen Parks. Wie das Kieswerk gegenüber wurde daraus eine begehbare Skulptur.
Mit einer dynamischen Bewegung stößt der Bau in Richtung Park vor, ehe er scharfkantig und abrupt abbricht und mit einer konkav geformten Betonwand gleichsam in den Grund zurück schwingt. Nach der Gartenschau beherbergt das wie ein chthonisches Urwesen aus der Erde wachsende 140 m lange Gebäude einen Veranstaltungsraum und das Trinationale Umweltzentrum. Kieswerk und LF One flankieren den Eingang zu einem Park mit einer Natur, die sich aus den Kies-Terrassen heraus ihre Ursprünglichkeit selber zurück erobern durfte.

 
 
 
Kunst-Aktion beim Open Air 2018: Shining Night

Kunst-Aktion beim Open Air 2018: Shining Night

Das Kunstprojekt Shining Night von Feed Water (Ania Dziezewska und Volker Scheurer) beschäftigt sich dieses Jahr mit dem Hellen im Dunkeln.Es wird ein dreidimensionales Bild erschaffen, das in der Dunkelheit unter UV-Licht seine Strahlkraft entwickelt. Die beiden Künstler vom Kunstraum Kieswerk inszenierten in vielen Nachtschichten ein Schaubild, in dem Elemente aus den Bereichen Technik, Alltag und Kunst als Gesamtbild inszeniert werden. Die Musik für das Projekt wurde von Klaus Kipfmüller kreiert. Shining Night wird zur Festivaleröffnung erstmals präsentiert und wird in den nachfolgenden Tagen und eben Nächten weiterentwickelt.

 
 
 
STEINZEIT - begehbare Sonnenuhr

Vorhandene Kunstwerke auf dem Festival-Gelände

STEINZEIT - begehbare Sonnenuhr
Stahl, Steine, 1999

Die früheren Kesselhaus-Künstlerinnen Minka Strickstrock und Erika Seifert-Weissmann beschreiben eine Sonnenuhr mit einem Steinkranz, der nach der Farbskala der Steine angeordnet ist. Die Zeit bleibt individuell bestimmt (definiert). "Was haben wir außer Zeit?", fragt Minka Strickstrock, "und selbst die haben wir nur in begrenztem Umfang, um sie mit Wachheit, Müdigkeit oder der Befriedigung unserer Bedürfnisse zu füllen." Wie immer man auch "Zeit" definiert: Zeit und Vergänglichkeit sind Themen, welche die Künstlerin umtreiben und welche sie in ihrer künstlerischen Arbeit umsetzt.

 
 
 
»Haut-Hülle-nah«

»Haut-Hülle-nah«

Beton, 1999
Kunstwerke von außergewöhnlicher Subtilität werden täglich von Kino-Besuchern besetzt: Manche spürent ungewohnt nah Fußabdrücke, die von erdseitig laufenden Menschen verursacht zu sein scheinen. »Haut-Hülle-nah« heißt die von Reinhard Bombsch gegossene Betonplatte vor dem Hadidbau, in mehrfacher Hinsicht berührend.

 
 
 
"Slinky"

"Slinky"

Eisenschrott, 2017
Der Kölner Künstler Odo Rumpf ist ein Sammler. Ein Industriearchäologe eigener Prägung auf der Spur einer sich langsam zersetzenden Epoche. Und kreativer Umdenker der von ihm entdeckten, meist verwitterten Fundstücke. Wie in einem Puzzle stellt und ordnet er sie in einen Zusammenhang und verleiht den Teilen, in von ihm erdachten Arrangements neue Bedeutungen. Doch nicht allein dieser neue, durch ihn erst erstellte Zusammenhang ist ihm wichtig; interessant bleibt ihm auch die wirkliche, wie zugedachte Geschichte der benutzten Einzelstücke. Dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Einzelteile, unterstreichen seine Skulpturen daher in besonders beeindruckender und in der Form sehr ästhetisch wirkender Weise. Trotz des bewussten Verhaftens in der alltäglichen Form bleiben Banalität oder auch eine provozierende Ästhetik des Hässlichen außen vor.

Odo Rumpf betreibt in Köln einen großen Kunstpark mit Schrottskulpturen. Die Bestandteile des Tierwesens "Slinky" hat er in der Region eingesammelt und während des Festivals 2017 zusammengesetzt.

 
 
 
"Lichtblick" von Suter & Bult

"Lichtblick" von Suter & Bult

Stahlmatten, Gips, 2012
Suter & Bult stellen seit 1997 gemeinsam Werke an verschiedenen Orten in der Schweiz, Deutschland und Frankreich aus, erhielten 2011 einen Preis und publizierten darüber hinaus zahlreiche Bücher und Artikel. Heute fokussieren ihre Skulpturen auf historisch geschichtete, archetypische Formen, die – weit mehr als bloße Objekte – auch eine übertragene Bedeutung vermitteln. Beim Festival 2012 haben sie die Skulptur "Lichtblick" hergestellt und als Dauerleihgabe für den Dreiländergarten zur Verfügung gestellt.

Christiane Bult wurde 1957 in Basel geboren, studierte Photographie (1976/77), erwarb 1990 den Master of Arts an der Universität Basel im Hauptfach Geschichte mit einer Arbeit über Photographie, besuchte 1992-1994 die Jazz Schule Basel, wurde schließlich autodidaktisch zur Bildhauerin und stellte bereits 1995 erste Werke aus.

Pascal Suter wurde 1962 ebenfalls in Basel geboren, machte zunächst eine Spenglerlehre und besuchte in der Folge die Jazz Schule Basel (1989-1994), arbeitete dann als Assistent seines Vaters, des Bildhauers Paul Suter, bildete sich autodidaktisch zum Bildhauer aus und stellte 1997 bereits erste Werke zusammen mit Christiane Bult aus.

 
 
 
Eisen, Stein, 2010

Ora et labora

Eisen, Stein, 2010
Als Gastkünstler aus Kalabrien und Polen haben Dr. Alfonso Caravetta aus Coriglione Calabro, einer 38000 Einwohner zählenden Stadt in Kalabrien und Katarzyna Kedzior aus Lublin in Polen, auf Einladung des Kulturamtes Weil am Rhein eine Woche lang intensiv die Region um Weil am Rhein studiert, Museen besucht, Kontakte mit Künstlern geknüpft und vor allem Materialien gesucht, um ihr gemeinsames Projekt "Ora et labora" im Rahmen des Kieswerk Open Airs zu realisieren. Auf Schrottplätzen in der Region und Baumärkten hatte das Künstlerpaar Materialien für ein beständiges Kunstwerk gesammelt: Auf einem gemauerten Sockel im mediterran bepflanzten Trockenbeet vor dem Hadid-Pavillon drehen sich zwei große Eisenringe in einem Kugellager im Wind. Sie umrahmen das eingeschweißte Pastellgemälde des Heiligen Basilio, eines Kirchenlehrers des 4. Jahrhundert, der sich in Caesarea (Kappadokien) um den byzantinischen Ritus verdient gemacht hatte. Er hatte keinen Orden begründet, aber nach seiner Ordenslehre versuchten die griechisch-byzantinischen Mönche ihr Leben auszurichten.

Da sein Name auch Pate der Namensgebung von Basel war, ist auf der anderen Seite des Gemäldes das Basler Münster erkennbar. Die beiden geschichtsbewanderten Künstler sehen darin eine Verbindung zwischen dem gerade in Süditalien verehrten heiligen Basilius und der Region Basel, beide mit starken historischen Bezügen zu Byzanz. Der Name "Ora et labora" bezieht sich allerdings auf einen Grundsatz des Benediktinerordens in einer spätmittelalterlichen Auslegung: nämlich die Überzeugung, dass der Weg zur Gottheit nur über Gebet und harte Arbeit führt. Intensiv gearbeitet hatte das Künstlerpaar aus zwei Ländern tatsächlich an diesem Projekt, das dem Dreiländergarten erhalten bleibt. Allerdings müssen einzelne Teile wie das Bild selber zur Zeit wieder restauriert werden, da moderne Vandalen auch hier keine Rücksicht kennen.

 
 
 
Interaktives Kunstwerk, 2013

Spuren

Interaktives Kunstwerk, 2013
Seltsame weiße Striche auf dem Boden der Naturarena sind das Ergebnis eines interaktiven Projekts aus dem Jahr 2013 während des Festivals. Fotograf, Designer, Schriftsteller, Bühnenbildner, Maler, Bildhauer, Zeichner: all dies ist Wojtek Radtke, ein gefragter Künstler aus dem polnischen Seebad Sopot - dem mondänen Teil der Dreistadt an Polens Ostseeküste, zu der auch Danzig und Gdingen gehören. Wojtek Radtke wurde 2013 als "artist in residence" beim Kieswerk open air eingeladen. Festival-Leiter Tonio Paßlick besuchte sein Atelier in Sopot und lud Radtke für ein interaktives Projekt, bei dem Festival-Besucher ihre Spuren hinterließen.

„Spuren“ nennt der polnische Künstler Wojtek Radtke diese multimediale und komplexe Idee,. Letztlich kamen 15 Personen mit ausreichend guten Englisch-Kenntnissen zusammen, die bereit waren, einige Tage ein GPS -Gerät mit sich zu tragen. Daraus entstanden Mobilitätsgrafiken, die der Künstler als Basis für einzelne Kunstwerke benutzte.
Die Bodenkunstwerke auf der Betonplatte in der Naturarena blieb als künstlerische Umsetzung dieser Grafiken. Außerdem entstand ein Video-Film aus Interviews, die der Künstler mit den Teilnehmern geführt hat. Über das Leben an sich und die Spuren, die wir im Alltag hinterlassen, sollte nachgedacht werden. Vor diesem philosophischen Hintergrund fiel die Resonanz der Teilnehmer erwartungsgemäß recht unterschiedlich aus. Sich der eigenen Spuren bewusst werden, die dann auf künstlerischer Ebene umgesetzt werden; das ist Teil des Projektes, das wie eine Grafik die unterschiedlichsten Muster aufweist. Jede der Spuren wird im Gemälde von dem entsprechenden Teilnehmer signiert und ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar.

 
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KIESWERK OPEN AIR 2018

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Tonio Paßlick
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