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Samstag, 06. August              Filmbeginn 21:30 Uhr



Filmklassiker - Metropolis
 
Dauer: 152 Min.
FSK:  OHNE

 


                                                         



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Comeback nach 84 Jahren

Es ist eine kleine Sensation: Erstmals seit 1927 können deutsche Zuschauer den Stummfilmklassiker Metropolis wieder in einer zweieinhalbstündigen Langfassung im Kino sehen. Diese Chance sollten sich Filmfreunde nicht entgehen lassen. Fritz Langs Science-Fiction-Oper lohnt sowohl die erstmalige wie auch die Wiederentdeckung. Denn die grandiosen Bilderwelten des Mammutprojekts haben nicht nur Filme wie Blade Runner beeinflusst. Sie bleiben auch bei wiederholtem Sehen erstaunlich frisch und aktuell.

Die Geschichte um die verlorene Urfassung und um die mehrfachen Rekonstruktionen ist fast so kurios wie die Historie der Dreharbeiten. Die dauerten unglaubliche eineinhalb Jahre und kosteten rund sechs Millionen Reichsmark - eine Summe, die die Produktionsfirma Ufa an den Rand des Ruins brachte. Denn der Film fiel bei Kritikern und Publikum durch. Lediglich 15.000 Menschen sahen in Deutschland die ursprünglich von Regisseur Fritz Lang konzipierte Fassung. Sie wurde nach vier Monaten aus dem Verkehr gezogen und später durch eine gekürzte, vermeintlich publikumsfreundlichere Version ersetzt. Seitdem galt ein Viertel des inzwischen als Weltdokumenterbe der Unesco anerkannten Mammutwerks als verloren. Erst dank einer 2008 in Buenos Aires entdeckten, allerdings stark beschädigten 16-Millimeter-Kopie, konnten Restauratoren der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Siftung den ursprünglichen Zustand nun so weit wie möglich wieder herstellen. 27 Minuten sind hinzugekommen. Es fehlen gegenüber dem Original nur noch acht Minuten.

Der "neue" Metropolis-Film also, um die fehlenden Szenen ergänzt und im Schnitt an manchen Stellen korrigiert: Das ist natürlich kein komplett anderes Werk, auch wenn Filmhistoriker mitunter von "Verstümmelung" gesprochen haben. Dennoch macht die Langfassung einen vielschichtigeren, runderen Eindruck. Durch die stärkere Berücksichtigung von Nebenhandlungen verliert die umstrittene Botschaft des Films – die Aufhebung des Klassengegensatzes zwischen Kapitalisten und Arbeitern durch einen "Mittler" – ein wenig von ihrer Abstraktheit. Die Manipulationsabsicht fügt sich harmonischer in den Erzählstrang ein, ohne sich freilich inhaltlich zu verändern. Die Moral der Geschichte bleibt platt und die spätere NSDAP-Mitgliedschaft der Drehbuchautorin – Langs damalige Ehefrau Thea von Harbou – gibt nach wie vor zu denken.

Die nacherzählbare Handlung ist gewiss der Schwachpunkt von Metropolis. Sie handelt von einer futuristischen Zweiklassengesellschaft. Unter der Erde müssen die ausgebeuteten, fast wie Sklaven gehaltenen Arbeiter hausen. In der Oberstadt dagegen vergnügen sich die Reichen, unter ihnen Freder (Gustav Fröhlich), der Sohn des Alleinherrschers Joh Fredersen (Alfred Abel). Freder verliebt sich in Maria (Brigitte Helm), die christlich inspirierte Arbeiterführerin. Dadurch entdeckt er erstmals die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Unterstadt, wo eine Revolte droht. Um der vorzubeugen, beauftragt Freders Vater den Erfinder Rotwang mit der Schaffung einer zweiten Maria, einem Maschinenmenschen, die der echten Maria zum Verwechseln ähnlich ist. Die falsche Maria soll die Arbeiter zum Maschinensturm aufrufen und so einen Vorwand für die gewaltsame Niederschlagung der Arbeiter liefern. Aber der Kapitalist hat die Rechnung ohne den Erfinder gemacht, der sich heimlich an ihm rächen will.

Seinen bis heute fortwirkenden Reiz verdankt Langs expressionistisch inspirierter Klassiker jedoch nicht der Story, sondern der Kraft und dem Erfindungsreichtum seiner Bilder. Ob es sich um den Maschinenmoloch handelt, an dem die Arbeiter hängen wie die Gekreuzigten, oder um die gierigen Blicke lüsterner Männer beim lasziven Tanz der falschen Maria, oder schlicht um den Archetypus einer futuristischen Stadtlandschaft – Fritz Lang zieht den Zuschauer in eine Bilderflut, aus der er ihn zweieinhalb spannende Stunden lang nicht entlässt. Für den emotionalen Sog sorgt nicht zuletzt die ebenfalls rekonstruierte Originalmusik von Gottfried Huppertz – ein wuchtiges sinfonisches Werk im Stil der Spätromantik, mit wiederkehrenden musikalischen Leitmotiven für die Figuren.

Nicht unbedingt als Nachteil erweist sich, dass die neu entdeckte Kopie aus Buenos Aires, von der die zusätzlich eingefügten Szenen stammen, so zerkratzt ist. Auf diese Weise sieht man sehr genau, wie sich die neue Fassung von der früheren unterscheidet. Die "neuen" Einstellungen weisen erhebliche Gebrauchsspuren auf und sind sofort zu erkennen. Manchmal liefern sie nur einen Gegenschuss, manchmal dauern sie etwas länger, aber nie wirken sie in ihrer optischen Mangelhaftigkeit störend. Stattdessen liefern sie wertvolle Einblicke in die Beziehung von Freder zu dem Arbeiter, mit dem er die Kleidung tauscht, sowie in den Zwist zwischen Joh Fredersen und Rotwang. Außerdem tragen sie im abschließenden Actionszenario zu einer besseren räumlichen Orientierung bei.

Er wolle sich nicht zu einem Film äußern, der nicht mehr existiere, hat Fritz Lang einmal in Anspielung auf die Kurzfassung gesagt. Das gilt heute nicht mehr. Metropolis lebt.


Produktionsjahr: 1927
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 12.05.2011
Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Fritz Lang, Thea von Harbou
Hauptdarsteller: Fritz Rasp, Gustav Fröhlich, Brigitte Helm, Alfred Abel, Rudolf Klein-Rogge
  
Dauer: 152 Min.
FSK:  OHNE
 
 

 

 


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